kindergarten-in-Pripyat_kopf

Bild: Rüdiger Lubricht

Der 26. April 1986 und seine Folgen

Der-Reaktor
Der Reaktor. Bild: Rüdiger Lubricht

Weite Landflächen sind verseucht

Am 26. April 1986 ereignete sich die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Es waren nicht nur die Menschen in der unmittelbaren Umgebung betroffen. Auch wir mussten auf be­stimmte Nahrungsmittel verzichten, und unsere Kinder sollten nicht mehr draußen spielen. Heute ist das für uns Vergangenheit.

Anders die Situation in der Ukraine, wo der Unglücks­reaktor steht, in den angrenzenden Gebieten Russlands und in Weißrussland. Außer den Menschen, die unmittelbare Strahlenschäden erlitten haben, sind heute junge Erwachsene und deren Kinder die Opfer. Die radioaktive Belastung sieht man nicht, man riecht sie nicht und man kann sie nicht schmecken.

Die Folgen des Genusses radioaktiv belasteter Lebensmittel zeigen sich oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten. Gerade älteren Menschen ist es oft schwer zu vermitteln, dass sie deshalb ihre Lebensgewohnheiten ändern müssen.

Tatsache ist, dass viele Nahrungsmittel aus den ehemals stark landwirtschaftlich genutzten und heute stark strahlenbelasteten Gebieten oft über Jahrhunderte hinaus radioaktiv ver­seucht sind. Das gilt insbesondere für alle Früchte des Waldes, wie Pilze und Beeren, aber auch für Wild, Süßwasserfische und alle Milchprodukte. Da diese Nahrungsmittel in den be­lasteten Gebieten weiter gesammelt, verarbeitet und gegessen werden, setzen sich die Menschen tagtäglich einer weiteren radioaktiven Belastung aus.

kindergarten-in-Pripyat
Ein Kindergarten in Pripyat. Bild:Rüdiger Lubricht

Lebensräume für Kinder wurden zerstört

Hinzu kommt, dass diese Nahrungsmittel auch in die unbelasteten Gebiete transportiert und dort oft als angeblich unbedenklich verkauft werden. Es gibt in Belarus, der Ukraine und Russland keine funktionierende Lebensmittelkontrolle, die sicherstellen könnte, dass auf den Märkten oder in den Geschäften nur unbelastete Nahrungsmittel angeboten werden.

In den strahlenbelasteten Gebieten fällt selbst Laien schon bei der Durchfahrt auf, dass auf den Weiden, vor deren Betreten Schilder mit dem Zeichen für Radioaktivität warnen, Kühe gra­sen. Ihre Milch wird sicherlich irgendwo angeboten und gelangt in die Nahrungsmittelkette.

Das Problem ist, dass die Menschen in Belarus, in der Ukraine und Russland kaum Alterna­tiven haben. Wenn – wie in Belarus – weite Teile des Landes, die früher zu den landwirt­schaftlich intensiv genutzten Bereichen gehörten, nun nicht mehr zur Verfügung stehen sol­len, reicht das Angebot aus den übrigen Landesteilen einfach nicht aus.

Natürlich gäbe es die Möglichkeit, unbelastete Nahrungsmittel aus anderen Staaten der ehemaligen Sowjet­union oder dem westlichen Ausland zu importieren. Da jedoch Importe heute ausnahmslos mit Devisen bezahlt werden, scheitert eine gesunde, unbelastete Ernährung der Bevölkerung spätestens an den finanziellen Möglichkeiten.