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Bild: Rüdiger Lubricht

Die gesundheitlichen Folgen

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Die Intensivstation im Krankenhaus in Ternopil. Bild: Sibylle Glosemeyer/ Stiftung

Viele Säuglinge und Kinder sind schwer krank

Die gesundheitlichen Folgen des Teufelkreises der Katastrophe werden spätestens seit 1990 deutlich. Seit diesem Zeitpunkt verzeichnen die betroffenen Staaten einen rasanten Anstieg von Schild­drüsenkrebs - vor allem bei Kindern. Bis 1986 war diese Art des Krebses bei Kindern na­hezu unbekannt. 1994 hatten bereits 333 belarussische Kinder Schilddrüsenkrebs, 1997 lag die Zahl schon bei 574 Kindern.

Die Wissenschaftler führen dies auf einen Befall der Schild­drüse mit dem radioaktiven Jod 131 zurück. Diese Folgen hätten vermieden werden können, wenn die Bevölkerung unmittelbar nach dem Unglück Jodtabletten erhalten hätte. Dies ist von den Behörden damals versäumt wor­den. Heute steht man einer weiter wachsenden Zahl an Schilddrüsenerkrankungen und -krebs bei Kindern und Erwachsenen gegenüber.

Noch gibt es nicht überall die diagnosti­schen Möglichkeiten, diese Erkrankungen mit Hilfe von Ultraschallgeräten so frühzeitig zu erkennen, dass sie erfolgreich behandelt werden können. Und selbst wenn sie rechtzeitig erkannt werden, fehlen vielfach Hormonersatzpräparate, die bei einer Entfernung der Schild­drüse ein Leben lang genommen werden müssen.

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Ein krebskranker Junge auf der Onkologiestation in Minsk. Bild: Rüdiger Lubricht

Ein weiterer Anstieg von Krebserkrankungen erwartet

Neben diesen Folgen gibt es eine Vielzahl weiterer gesundheitlicher Probleme. Die Säug­lings- und Kindersterblichkeit hat stark zugenommen, viele Kinder leiden unter Magen-Darm-Erkrankungen, Bronchial- oder Bluterkrankungen, Erkrankungen des Herzens sowie Diabe­tes Typ 1.

Die Ärztinnen und Ärzte stellen bereits seit Jahren eine deutliche Schwächung des Immunsystems bei Kindern fest und berichten über einen signifikanten Anstieg angeborener Missbildungen. Leukämien und andere Krebserkrankungen treten verstärkt und in sehr ag­gressiver Form auf.

Die Wissenschaftler erwarten, dass es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einen weite­ren starken Anstieg von Krebserkrankungen geben wird. Der stellvertretende Vorsitzende der Landesstiftung, Prof. Dr. Heyo Eckel, Facharzt für Radiologie und Ehrenpräsident der Ärztekammer Niedersach­sen, prognostiziert insbesondere einen erheblichen Anstieg von Organ- und Skelettkrebser­krankungen in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren.

Das Reaktorunglück von Tschernobyl unterscheidet sich von anderen Umweltkatastrophen dadurch, dass die Langzeitfolgen erst nach und nach sichtbar werden und in mancher Hin­sicht noch gar nicht abzuschätzen sind. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist eine Zeitbombe.